Öltherapie bei Demenzkranken

Öltherapie & Demenz: Entspannung und Anregung durch ätherische Öle

Andrea Haunolder Fachbeiträge

Ätherische Öle werden über den Geruchssinn oder über die Haut aufgenommen. Durch Impulse an der Riechschleimhaut, die über den Riechnerven das limbische System im Gehirn erreichen, wirken ätherische Öle mit ihren vielfältigen Inhaltsstoffen regulierend auf zahlreiche Botenstoffe (Neurotransmitter). Sie greifen sanft in das Netzwerk der Informationen ein, indem sie die Produktion bestimmter Botenstoffe anregen, eine Überproduktion hemmen oder deren Zusammenarbeit beeinflussen. Durch diese Fähigkeiten wirken ätherische Öle indirekt auf Psyche, Hormone und Immunsystem.

Verwirrte Menschen neigen zu starker, innerer Unruhe, Depression und Angstzuständen und Schlafstörungen. Die Praxis zeigt, dass der Verbrauch von Beruhigungsmitteln durch Raumbeduftung mit entsprechenden ätherischen Ölen reduziert werden kann.

Allgemeine Wirkung

Entspannungsfördernde, harmonisierende und stärkende Öle erleichtern Betroffene, Pflegenden sowie Angehörigen die schwierige oder nonverbale Kommunikation im fortschreitenden Krankheitsverlauf.

Für Einreibungen oder Massagen werden ätherische Öle mit fetten Pflanzenölen gemischt. Durch Auftragen auf die Haut erreichen diese Ölmischungen das Lymphsystem und den Blutkreislauf. Sie können so Einfluss auf das gesamten Organismus nehmen, da auch über diesen Weg Reize im limbischen System gesetzt werden.

Durch Auftragen auf die Haut erreichen diese Ölmischungen das Lymphsystem und den Blutkreislauf. Quelle: unsplash.com

Wirkung auf Demenzkranke

 

Was versteht man unter Demenz? (Zitiert nach Naomi Feil)

Wenn das Kurzzeitgedächtnis nachlässt, versuchen ältere Erwachsene ihr Leben wieder in ein Gleichgewicht zu bringen, indem sie auf frühere Erinnerungen zurückgreifen. Wenn die Sehstärke nachlässt, sehen sie mit dem „inneren Auge”. Wenn ihr Gehör immer mehr nachlässt, hören sie Klänge aus der Vergangenheit.

Im fortgeschrittenen Stadium der Demenz werden Berührungen gerne angenommen, schaffen Vertrauen und stärken das Selbstwertgefühl. Durch duftende Massagen oder Einreibungen mit fetten Pflanzenölen wird die Haut gepflegt, das Immunsystem gestärkt und die Seele gestreichelt.

Geeignete Öle für Demenzerkrankte

Angstlösende Öle

 

Basilikum: „Balsam für die Seele“

Grapefruit: angstlösend, antidepressiv, fröhlich stimmend

Lavendel: von Ängsten begleitete, depressive Verstimmung

Melisse: bei starker Angst und Hyperaktivität

Angstlösende Öle: Basilikum, Grapefruit, Lavendel, Melisse

Entspannende Öle

Fenchel: beruhigend, entspannend

Neroli: beruhigend, entspannend, ausgleichend

Tonka: vermittelt Geborgenheit und Sicherheit

Benzoe Siam: Duft, der Geborgenheit schenkt

Entspannende Öle: Fenchel, Neroli, Tonka, Benzoe Siam

Beruhigende Öle

Lavendel fein: wirkt beruhigend und angstlösend, entspannend

Sandelholz: bei Hyperaktivität und Stress

Patchouli: bei Nervosität und Erregbarkeit

Beruhigende Öle: Lavendel, Sandelholz & Patchouli.

Harmonisierende, gefühlsbetonende Öle

Mandarine: bei mangelndem Selbstvertrauen und Empfindsamkeit

Rose: ausgleichend, öffnend, harmonisierend, stressreduzierend

Rosengeranie: als hormonelles Balanceöl, reguliert Stresshormonbildung

Harmonisierende Öle: Mandarine, Rose & Rosengeranie.

Stärkende Öle

Angelikawurzel: aufbauend, stabilisierend, bei mangelndem Selbstbewusstsein

Lorbeer: stärkend, vitalisierend, stimmungsaufhellend

Zimtrinde: stärkend, belebend, seelisch erwärmend

Stärkende Öle: Angelikawurzel, Lorbeer & Zimtrinde.

Anregende Öle

Rosmarin, Eucalyptus, Cajeput & Myrte Marokko: wirken bei Unruhen, Erschöpfung und depressiver Verstimmung

Zitrone: bei Antriebsschwäche

Litsea: fördert Konzentration, erfrischt, wirkt mild dosiert entspannend

Anregende Öle: Rosmarin, Eucalyptus, Cajeput, Myrte Marokko, Zitrone & Litsea.

Schlaffördernde Öle

Bergamotte: schlaffördernd bei depressiver Verstimmung und Ängsten

Melisse: bewährt bei nervös bedingten Einschlafstörungen

Lavendel: fein beruhigt die Nerven und fördert die Schlafbereitschaft

Jasmin: bei Stress, depressiver Verstimmung und Schlafstörungen

Narde: stresslösend und schlaffördernd

Sandelholz: bei Stress, Hyperaktivität und Schlafstörungen

Vetiver: schlaffördernd bei Erschöpfungen, Ängsten, mangelndem Vertrauen

Schlaffördernde Öle: Bergamotte, Melisse, Lavendel, Jasmin & Narde.

Anwendungsmöglichkeiten

Raumbeduftung

  • Elektrische Duftlampe oder Aroma-Vernebler aufstellen
  • Ein mit ca. 5 Tropfen Öle betropftes Tuch auf den Heizkörper legen
  • Kleidung / Kopfkissen beduften
  • Raumspray verwenden
  • Gegenstände beduften (z.B. Tannenzapfen, Orangen, getrockneten Lavendel)
Elektrische Duftlampe oder Aroma-Vernebler

Waschungen, Hand-, Fuß- oder Vollbäder

  • Je nach Wassermenge
  • 3 – 10 Tropfen ätherisches Öl mit Emulgator (z.B. Milch ) ins Wasser geben
Je nach Wassermenge 3 - 10 Tropfen ätherisches Öl mit Emulgator (z.B. Milch ) ins Wasser geben.

Düfte transportieren Erinnerungen aus der Vergangenheit zu den Dementen zurück.
Sie können ein Lächeln in ihr Gesicht zaubern.

Weiterführende Quellen:

  • Pflegeheimportal – Ratgeber Demenz, www. pflegeheimportal.de.
  • Reiner Frühsammer, „ Ätherische Öle in der Altenpflege“.
  • C. Mögel, Seminar: „ Betreuung und Pflege von Menschen mit Demenz.
  • Aromatherapie für Pflege- und Heilberufe „ Eliane Zimmermann“.
Weiterführende Quellen & Literatur.

Autor: Andrea Haunolder
Bildquellen: unsplash.com; pexels.com