Ein Mann hat Schmerzen

Schmerzen – Wie sie entstehen und was wir gegen sie tun können

Ob Kopfschmerzen, Bauchschmerzen, Rückenschmerzen oder Halsschmerzen – wir alle kennen sie, wir alle verfluchen sie. Schmerzen sind für viele ein täglicher Begleiter. Die Leidtragenden entwickeln für ihre kleinen Wehwehchen häufig eigene Behandlungsrituale: eine Tasse Kamillentee beruhigt den Magen, ein Spaziergang im Wald versorgt das Gehirn mit frischem Sauerstoff, eine gut platzierte Wärmflasche löst die Verspannungen im Rücken. Das schafft meist schnelle Abhilfe – löst aber selten das eigentliche Problem.

Mit den Schmerzen ist es doch immer so: Wir behandeln nur das Symptom und nicht seine Ursache. Verständlich. Das geht einfacher und kann auch ohne ärztlichen Rat in Eigenregie passieren. Aber um Schmerzen ein für alle Mal loswerden zu können und eine Entwicklung zu chronischen Schmerzen zu verhindern, muss die Ursache ermittelt und behandelt werden. Aber was sind Schmerzen eigentlich? Wie bilden sie sich und warum? Und wie können sie behandelt werden?

Was sind Schmerzen eigentlich?

Die Weltschmerzorganisation (International Association for the Study of Pain – kurz: IASP) definiert den Schmerz als ein unangenehmes Sinnes- und Gefühlserlebnis. Schmerzen lassen sich in zwei Kategorien einteilen: akute und chronische Schmerzen.

Akute Schmerzen

Wie entstehen akute Schmerzen?

Nozizeptoren sind die für den Schmerz verantwortlichen Rezeptoren unseres peripheren Nervensystems. Sie kommen in allen schmerzempfindlichen Geweben des Körpers vor, nehmen drohende oder tatsächliche Verletzungen wahr und werden dadurch gereizt. Die Verletzungen können z.B. chemisch, thermisch oder mechanisch sein. Der Reiz wird interpretiert und löst ein Signal aus, das über das zentrale Nervensystem an das Gehirn weitergeleitet wird und ihm vermittelt: „Du empfindest jetzt an dieser Stelle Schmerzen.“ Akute Schmerzen sind also ein Symptom für eine tieferliegende Ursache.

Welche Funktionen haben akute Schmerzen?

Akute Schmerzen warnen uns. Ohne sie könnten wir ausschließlich visuell wahrnehmen, dass unser Gewebe verletzt wird. Durch unser Schmerzempfinden werden wir auf Gefährdungen aufmerksam gemacht, können reagieren und dem Auslöser ausweichen bzw. die Ursache beheben.
Ist die Ursache behoben, sind Schmerzen auch während der Heilung des gereizten oder geschädigten Gewebes essentiell. Nun warnen sie uns vor einer Überbelastung und verhindern damit einen gestörten bzw. verlangsamten Heilungsprozess.
Auch wenn es absurd klingen mag: Die körperliche Fähigkeit, akute Schmerzen empfinden zu können, ist nur von Vorteil. Selbst wenn wir sie oft gerne wegzaubern würden, müssen wir uns daran erinnern, dass sie unvermeidbar sind – und das ist auch gut so.

Akute Schmerzen zu empfinden ist sehr sinnvoll
Akute Schmerzen waren uns vor Bedrohungen. Quelle: unsplash.com

Wie können akute Schmerzen behandelt werden?

Wie wir bereits wissen: Akute Schmerzen haben immer eine Ursache. Um die Ursache für Ihre Schmerzen herauszufinden, sollte in jedem Fall Kontakt mit einem Arzt aufgenomme werden. Er wird weitere Behandlungsschritte einleiten, die individuell angepasst sind. Die Ursachen können natürlich sehr unterschiedlich sein. Eine Behandlung aber ist immer unumgänglich. Nur so kann vermieden werden, dass sich die akuten Schmerzen zu chronischen Schmerzen entwickeln.
In diesem Zusammenhang ist es wichtig zu erwähnen, dass eine gezielte und kontrollierte Einnahme von Schmerzmitteln essentiell sein kann, um die Nozizeptoren zu entlasten.

Chronische Schmerzen

Wie entstehen chronische Schmerzen?

Während akute Schmerzen – wie ihre Bezeichnung bereits verrät – stets eine unmittelbare Wirkung haben, können sich Schmerzen, deren Ursache nicht bekämpft wird, auch “verselbständigen”. Es entstehen chronische Schmerzen. Sie werden auch als Schmerzsyndrom bezeichnet. Charakteristisch für chronische Schmerzen ist ein dauerhaftes oder immer wiederkehrendes Schmerzempfinden über einen langen Zeitraum.
Alleine in Deutschland leiden rund 11 Millionen Menschen unter chronischen Schmerzen. Die Zahl ist deshalb so hoch, weil sich eine Krankheit auf unterschiedliche Weisen entwickeln kann.
Beispielsweise führt eine dauerhafte Reizung der Nozizeptoren zur Sensibilisierung ihrer Wahrnehmung. Selbst kleinste Unannehmlichkeiten werden so vom Körper überhaupt erst oder stärker als bei unsensiblen Nozizeptoren als Schmerzen empfunden.
Ganz ohne einen schmerzauslösenden Reiz der Nozizeptoren kann die unangenehme Sinneswahrnehmung auch durch das Schmerzgedächtnis ausgelöst werden. Dieses Gedächtnis speichert Informationen erlebter Schmerzen im zentralen Nervensystem und an der Schaltstelle im Rückenmark. So können Schmerzen vollkommen selbstständig wieder auftreten.

Wie können chronische Schmerzen vermieden werden?

Schmerzmittel sind nicht nur ein kurzfristige Lösung
Die Einnahme von Schmerzmitteln ist sinnvoll, um die Bildung von chronischen Schmerzen zu vermeiden. Quelle: unsplash.com

Meistens entwickeln sich chronische Schmerzen aus akuten Schmerzen heraus. Deshalb gilt in erster Linie: Wer akute Schmerzen empfindet, sollte der Ursache auf den Grund gehen, um gemeinsam mit einem Arzt eine angemessene Behandlung vornehmen zu können. Dazu gehört meist eine medikamentöse Behandlung. Auch wenn wir oft vor der Einnahme von Schmerzmitteln zurückschrecken, ist sie notwendig, um eine übermäßige Sensibilisierung der Nozizeptoren zu verhindern. Die Einstellung „Das muss ich jetzt aushalten. Das wird schon von alleine wieder weggehen“ kann bei Schmerzen zu einer echten Bedrohung führen.

Wie können chronische Schmerzen behandelt werden?

Die Behandlung von chronischen Schmerzen ist komplex. Da die Schmerzen sehr individuell sind, fallen auch die Behandlungen bei jedem Patienten unterschiedlich aus. Die „multimodale Therapie“ oder „spezielle Schmerztherapie“, wie die Behandlung chronischer Schmerzen auch genannt wird, kann sich aus einer symptomatischen Behandlung mithilfe von Medikamenten, Physiotherapie, Ergotherapie, Psychotherapie und minimal-invasiven und operativen Verfahren zusammensetzen.
Um ein ideales Paket aus verschiedenen Behandlungen gestalten zu können, ist eine umfangreiche Anamnese nötig. Besonders ein Schmerztagebuch, das vom Patienten eigenständig über einen längeren Zeitraum geführt wird, kann sehr aufschlussreich für den behandelnden Arzt sein.

Wie Sie insbesondere bei Demenzkranken Schmerzen erkennen können, die ihr Leid nicht verbal äußern, erfahren Sie hier.

Fazit

Schmerzen haben viele Gesichter. Aber eines haben sie alle gemeinsam: Sie lassen uns leiden. Die Devise „Augen zu und durch“ ist bei Schmerzen eine riskante Einstellung – zu groß ist die Gefahr, dass chronische Schmerzen entstehen, denen – im Gegensatz zu akuten Schmerzen – oftmals keine direkte Ursache mehr zugeordnet werden kann. Entsprechend schwierig ist dann die Behandlung. Die Devise muss also lauten: Frühzeitig zum Arzt gehen und der Ursache der Schmerzen auf den Grund gehen. Und: Keine Scheu vor der kurzweiligen Einnahme von Schmerzmitteln. Die Vorteile überwiegen die Nachteile.

Autor:
Stoyan Kochaliev


Quellen:

https://www.praktischarzt.de/blog/akute-chronische-schmerzen/
https://www.internisten-im-netz.de/krankheiten/schmerzen/was-ist-schmerz.html
https://www.netdoktor.de/krankheiten/schmerzen/
https://www.hexal.de/patienten/ratgeber/schmerz/akuter-schmerz-chronischer-schmerz
https://flexikon.doccheck.com/de/Schmerz
https://www.gesundheitsinformation.de/chronische-schmerzen-verstehen.2607.de.html?part=ursachen-n7


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